Nach den 5 erlebnisreichen Tagen auf
Island, ging meine Reise weiter nach New York, wo ich einen Tag
verbrachte. Es war schon komisch nach dem Bevoelkerungsarmen Island
allein in so einer Megacity zu sein. Ueberall riesige Wolkenkratzer
und ich mitten in diesem Strom von Menschemassen. Da kommt man sich
so winzig und unbedeutend vor. Ich stand einfach nur staunend da und
war baff, versuchte soviel wie moeglich an Eindruecken in mich
aufzunehmen, diese zu verarbeiten kam erst viel spaeter. Vor allem
war ich davon beeindruckt, dass man erst an den von Menschen Hand
geschaffenen, meterhohen Gebaeuden vorbeischlendert und ploetzlich
sich vor einem eine riesige gruene Lunge erstreckt, der Central Park.
Hier kommen die Leute her, um durchzuatmen. Sie joggen, fahren Rad,
grillen, spielen Musik, oder chillen einfach nur ein bisschen. Auch
ich lieẞ mich dort fuer eine Weile an einem See nieder und hielt kurz
inne, lauschte einem Musiker, waehrend ich die Essensreste aus Island
aẞ. Nach diesem langen Tag, dem Flug und meiner Erkundungstour durch
New York war ich ziemlich geschafft. Angekommen in meiner Airbnb
Unterkunft fiel ich todmuede ins Bett. Am naechsten Tag sollte es ja
schlieẞlich mit dem Zug nach Vermont weitergehen, um Felix und Becky
in Brattleboro zu besuchen. Ein Tag in New York hat mir genuegt. Ich
habe zwar nicht alles gesehen, von dem was ich gerne noch angeschaut
haette, aber es war auch so voellig in Ordnung. Ich werde
vielleicht auch nochmal hinfliegen, aber irgendwie nicht alleine.
Es ist doch schoener die Eindruecke mit jemanden teilen zu koennen.
Trotzdem war der Aufenthalt fuer mich alleine eine erste tolle
Reiseerfahrung.
Als ich am Bahnhof von Brattleboro
ankam, wurde ich von Felix, Becky und Bubbi (ein Freund von Felix aus
Deutschland) freudig empfangen. Sie zeigten mir gleich anschlieẞend
Brattleboro und ich war beeindruckt wieviele Leute sie doch schon aus
der Gegend kannten. Abends lernte ich Beckys Eltern kennen, die kurz
zu Besuch waren und uns zum Pizza essen einluden. Beide sind sehr
sympathisch. Besonders aufgefallen ist mir, dass Beckys Vater so
spendabel ist. Denn als wir am naechsten Tag alle gemeinsam zu einem
Volksfest in der Naehe von Brattleboro gingen, scheute er keine
Kosten und bezahlte uns jede Kleinigkeit. Ich sagte zu ihm, dass das
nicht noetig ist, aber das ingeressierte ihn nur wenig. Felix und
Becky meinten, dass waere immer so und ich solle die Groẞzuegigkeit
einfach annehmen und dankbar sein, was ich auch tat.
Das Haus von Felix und Beky ist toll
und sieht aus wie ein richtiges Fachwerkhaus, was nur noch nicht ganz
fertig ist. Ich bin sehr beeindruckt wie sie das bis jetzt geschafft
und alles mit ihren eigenen Haenden aufgebaut haben. Nun konnte ich
mir endlich ein richtiges Bild von dem Grundstueck und dem Haus
machen. Das Haus verlauft ueber 2 Etagen und hat eine geschaetzte
Wohnflaeche von 45m². Auẞerdem scheint es sehr stabil zu sein. Ich
finde, wenn man es in Natura sieht wirkt es groeẞer als auf dem
Foto. Genial sind vor allem das selbstgebaute Plumpsklo und die
Dusche, mit der man sogar warm duschen kann. Das Wasser wird ueber
eine Kupferspirale mit Hilfe eines Ofens erhitzt und flieẞt als
duenner Strahl am anderen Ende aus einem Schlauch. Wenn man den
Duschkopf draufsetzt, dann kommt das Wasser sogar wie bei einer
richtigen Dusche gestraeut heraus. Das ganze Grundstueck ist sehr
groẞ. Durch die vielen Baeume ist es ueberall noch etwas dunkel, was
sich jedoch aendern soll, sobald Felix und Becky in ihr Haus
eingezogen sind. Der Plan ist, dass sie vor Beginn des Winters mit
dem Hausbau fertig sind. Etwas nervig ist der ganze Staub, der sich
ueberall drauflegt und der immerfeuchte Kuehlschrank, indem sich
Keime und Bakterien schnell ausbreiten und das Essen vor sich
hinschimmelt. Ich bin sogar ueber mich hinausgewachsen und habe
containerte Bagels gegessen. Aber auf Dauer koennte ich das nicht.
Die Sommer sind hier warm und schwuel,
wie in den letzten Tagen, sodass sich die Muecken sehr wohl fuehlen
und einem den letzten Nerv rauben. Erst jetzt wird es langsam kuehler
und sie beginnen sich zu verkriechen. Ueberhaupt ist hier im Wald
viel Getier. Besonders laestig finde ich die Motten und Spinnen. Ich
habe nicht das Gefuehl, dass ich mich an sie gewoehnt habe. Ansonsten
gibt es eine Menge frecher Streifenhoernchen, die uns gerne die
Lebensmittel klauen, die wir vergessen haben sicher zu verstauen. Der
Baer, den Felix mal mitten in der Nacht gesehen hat, kam mir nicht
unter die Augen, aber immer wenn ich alleine zu meinem Zelt tappte,
spuerte ich schon ein wenig die Angst in mir aufsteigen. Die Baerin
hat mittlerweile ein Junges und daher haben wir nachts immer das
Licht brennen lassen, um sie auf Distanz zu halten. Trotzdem bildet
man sich bei irgendwelchen Geraeuschen schnell komische Dinge ein und
faengt an sich zu gruseln.
Die Tage verliefen meist entspannend.
Viel gearbeitet habe ich nicht, aber ich konnte meistens auch nicht
wirklich helfen. Trotzdem denke ich, dass ich mein Bruederchen und
Becky ein wenig unterstuetzen konnte, indem ich Holz hackte, die
Tuerrahmen strich oder beim Umtragen der Strohballen mithalf.
Meistens wurde lange geschlafen, obwohl wir nicht spaet ins Bett
gegangen sind. Ich war in der Regel immer die Erste, die wach war.
Dann nutzte ich die Zeit, um zu joggen, mein Reistagebuch zu
schreiben oder einfach die Ruhe zu genieẞen. Es kann naemlich auf
Dauer auch anstrenged sein immer Leute um sich zu haben und keine
Zeit fuer sich alleine zu finden. Becky empfindet das aehnlich und
sie ist froh, wenn sie, nachdem monatelang Besuch da war, mit Felix
allein sein kann. Ich verstehe das. Felix und Bubbi macht das nichts
aus. Sie haben gerne einen Haufen Leute um sich. Daher ist es schwer
die unterschiedlichen Beduerfnisse unter einen Hut zu bringen. In
diesem Zusammenhang sind uns allen wieder einmal die Unterschiede
zwischen Maennern und Frauen aufgefallen und dass es manchmal nicht
so leicht ist beiden Geschlechtern gerecht zu werden. Aber im Groẞen
und Ganzen funktioniert es doch. Auẞerdem koennen Maenner wie Frauen
einfach nicht ohne einander. Das ist doch auch gut so, wo kaemen wir
sonst hin. Meiner Meinung nach hilft gegenseitiges Verstaendnis,
miteinander reden und zu akzeptieren, dass Maenner und Frauen
unterschiedlich sind. Aber oft bleibt es eben eine Kunst die
Unterschiede zwischen den Geschlechtern zum Vorteil zu nutzen. So nun
aber genug von dieser Maenner-Frauen Sache und zurueck zum Haus.
Jedenfalls ist das Haus so weit, dass
es mit Lehm verputzt werden kann. Die letzten Tage verbrachten wir
damit das Dach fertig zu machen und innen den Boden mit Paletten und
Stroh auszulegen. Zwischendurch blieb auch genug Zeit, um was zu
unternehmen. Besonders schoen fand ich das Baden an einem
wunderschoenen See, der ganz in der Naehe ist oder den Ausflug zum
Mount Monadnock. Dieser ist sozusagen der Lieblingsberg von Felix und
Becky, auf den sie jeden Besuch aus Deutschland fuehren. Ausserdem
kam keiner um das Spiel Skipbo herum, dass jeden Tag bis zum
Umfallen gespielt wurde.
Die Zeit geht viel zu schnell vorbei
und nun steht mir mein naechstes Reiseziel, die Fiji Inseln kurz
bevor. Insgesamt hat mir das, was ich von den USA gesehen habe, sehr
gefallen. Ich finde die Amis sind sehr freundlich und hilfsbereit.
Abgesehen davon ist mir jedoch aufgefallen, dass sie zu Felix und
Bubbi oft freundlicher waren als zu mir und sie mich in meinem
gebrochenen Englisch nicht immer richtig verstehen konnten. Ich
hoffe, dass sich das bald aendern wird und sich mein Englisch fuer
mich spuerbar bessern wird. Ich muss wohl einfach ein bisschen mehr
Geduld mit mir haben. Aber erstmal freue ich mich auf ein bequemes
Bett im naechsten Hostel, zeitweise hatte ich naemlich ziemliche
Rueckenschmerzen. So dann bin ich mal gespannt, wie es weitergeht...
Liebe Gruesse aus Vermont
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Bubbi, Becky, ihre Eltern und ich |
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Mount Monadnock |